Grenzgänger - Cover

THE SILENT CASES — Fall 2

Grenzgänger

ca. 220 Seiten · Mystery · Ab 14 Jahren

"14 Tage lang kam er jeden Abend.
Am 15. Tag war die Brücke leer."

Ein alter Mann überquert jeden Abend dieselbe Brücke. Nora beobachtet ihn, fotografiert ihn — ohne zu wissen, warum.

Dann verschwindet er. Und Nora entdeckt: Sein Name ist falsch. Sein Leben ist eine Lüge. Und jemand will, dass er nie gefunden wird.

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Mystery

Ein Vermisstenfall, der tiefer führt als erwartet

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Geschichte

Fluchthelfer im Zweiten Weltkrieg — wahre Ereignisse

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Bonus-Rätsel

Entschlüssle Friedrichs Tagebuch

💔

Emotion

Schuld, Mut und die Frage: Was ist richtig?

Leseprobe

Kapitel 1: Der Mann auf der Brücke

"Die interessantesten Geschichten gehören den Leuten, die sie nie erzählen."

Der Sommer war fast vorbei, und ich stand auf der Dreiländerbrücke.

Die Sonne sank gerade hinter den Hügeln des Schwarzwalds, ein glühender Ball aus Orange und Rot, und ich hatte meine Kamera dabei, wie immer. Frau Gerber, meine Fotografielehrerin, wollte Sommerfotos sehen - «authentische Momente», hatte sie gesagt, was auch immer das bedeutete.

Ich hatte schon zwanzig Fotos gemacht an diesem Abend, die Speicherkarte füllte sich mit Sonnenuntergängen und Schiffen und den Lichtern von Huningue auf der anderen Seite, demselben Motiv wie gestern, demselben wie vorgestern.

Die Brücke war nie leer. Sie verband Kleinhüningen mit Weil am Rhein, die Schweiz mit Deutschland, und jeden Tag überquerten hunderte Menschen diese unsichtbare Linie im Beton — Grenzgänger, nannte man sie, Menschen, die in einem Land wohnten und im anderen arbeiteten, für die die Grenze nur ein Strich auf der Landkarte war, nicht mehr.

Und dann sah ich ihn.

Er war alt - siebzig, vielleicht fünfundsiebzig - und ging langsam, mit dem bedächtigen Schritt eines Menschen, der es nicht eilig hat, irgendwo anzukommen. Sein Rücken war leicht gebeugt, seine Hände steckten in den Taschen einer grauen Jacke, die zu warm war für diesen Augustabend. Auf seinem Rücken trug er einen grünen Rucksack, altmodisch, aus festem Stoff, wie man ihn früher benutzte, bevor alles aus Nylon und Plastik war.

Er kam von der deutschen Seite. Ging Richtung Schweiz. Jeden Schritt zählend, wie jemand, der eine Routine vollzog.

Ich bemerkte ihn, weil er so anders war als die anderen Passanten.

Die Pendler hasteten, die Jogger keuchten, die Familien schlenderten mit Kindern an der Hand. Aber dieser Mann - er ging, als hätte er ein Ziel, das niemand ausser ihm kannte. Als hätte jeder Schritt eine Bedeutung, die er nur selbst verstand.

Ich hob meine Kamera.

— Was verbirgt der alte Mann? —

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🎁 Bonusmaterial

Friedrichs Tagebuch

Karl hat Nora das Tagebuch seines Vaters gegeben — verschlüsselt, um es vor den Nazis zu schützen.

Die Zahlen seines Lebens sind der Schlüssel: Sein Geburtsjahr, der Tag an dem alles begann, die Kilometer durch den Schnee, das Jahr in dem er seine Frau verlor.

Hast du aufmerksam gelesen? Karls Erzählungen enthalten alle Hinweise...

DER CODE:

████ — ██ — █ — ████
Geburt · Tag · Kilometer · Verlust

Gib den Code ein:
Format: XXXX-XX-X-XXXX (nur Zahlen und Bindestriche)

🔓 Entschlüsselt!

Der erste Transport — Friedrichs Tagebuch

18. Dezember 1943. Der Winter, der alles veränderte...

Kapitel 1: Die Nachricht

Der Schnee lag hoch in diesem Jahr.

Ich stapfte durch den Wald, die Axt über der Schulter, der Atem weisse Wolken vor meinem Gesicht. Es war später Nachmittag, die Sonne stand tief über den Bäumen, warf lange Schatten auf den Schnee, und die Kälte biss in meine Wangen, in meine Finger, in jeden Zentimeter Haut, der nicht von Wolle oder Leder bedeckt war.

Ich war müde — müde von der Arbeit, müde vom Winter, müde von dem Krieg, der irgendwo da draussen tobte, weit weg und doch so nah, dass man ihn nachts hören konnte, wenn der Wind aus dem Osten kam, ein fernes Grollen wie Donner, der nie aufhörte.

Aber heute war ein guter Tag gewesen. Ich hatte drei Fallen kontrolliert, zwei Hasen gefunden, die jetzt an meinem Gürtel hingen, schwer und steif vor Kälte. Elsa würde sich freuen. Frisches Fleisch war selten in diesen Zeiten, selbst hier in der Schweiz, wo der Krieg nur ein Schatten war, ein Schatten, der über die Grenze fiel und alles dunkler machte.

Ich war zweiunddreissig Jahre alt. Förster, wie mein Vater vor mir und dessen Vater davor. Ein Mann des Waldes. Ein Mann der Stille.

Als ich aus dem Wald trat und mein Haus sah — ein kleines Steinhaus am Rand von Riehen, mit Rauch, der aus dem Schornstein stieg — fühlte ich, wie die Anspannung von meinen Schultern fiel. Zuhause. Elsa. Das Baby, das in ihrem Bauch wuchs.


Aber etwas stimmte nicht.

Eine Spur im Schnee, die nicht von mir stammte. Fussstapfen, die zur Haustür führten und dort endeten. Jemand war hier. Jemand wartete.

Die Tür öffnete sich, bevor ich sie erreichte, und Elsa stand im Rahmen, ihr Gesicht bleich im Licht der Kerzen.

«Du hast Besuch», sagte sie leise. «Ein Mann aus Basel. Er wartet seit einer Stunde.»

«Wer?»

«Werner Wettstein.»

Ich kannte den Namen — ein Bankier aus einer der alten Basler Familien. Wir hatten zusammen gejagt, einmal, vor Jahren. Er war ein guter Schütze gewesen, ruhig und präzise.

Aber was wollte er hier? Im Dezember, mitten im Krieg?


Werner sass am Küchentisch, eine Tasse Tee vor sich, die er nicht angerührt hatte.

Er zog ein Foto hervor. Schwarzweiss, leicht vergilbt. Eine Familie — ein Mann, eine Frau, ein kleines Mädchen, eine alte Frau. Sie standen vor einem Haus und lächelten.

«Das ist Dr. David Rosenthal», sagte Werner. «Er war mein Arzt in Freiburg. Der beste, den ich je hatte. Seine Frau Miriam. Ihre Tochter Hannah, sechs Jahre alt. Und Sara, Davids Mutter. Achtundsechzig.»

Ich schaute auf die Gesichter. Eine Familie wie jede andere.

«Sie sind Juden», sagte ich.

«Ja. Sie verstecken sich seit drei Wochen in einer Scheune bei Inzlingen. Auf der anderen Seite der Grenze. In Deutschland.»

Ich wusste, was in Deutschland passierte. Jeder wusste es. Die Züge, die nach Osten fuhren. Die Menschen, die verschwanden.

«Was willst du von mir?»

Werner schaute mir in die Augen.

«Ich will, dass du sie über die Grenze bringst. Fünf Kilometer durch den Wald. Eine Nacht. In die Schweiz. In Sicherheit.»

— Die vollständige Geschichte liest du im Bonuskapitel des Buches —

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